3. – 4. Schuljahr

Annika Kreft

Developing transcultural competence

Transkulturelle Kompetenz in der Grundschule fördern Was, wie und worauf achten?

In der globalisierten und von Migration geprägten Welt ergeben sich stetig (neue) kulturelle Grenzsituationen, die nicht nur auf Nationen bezogen sind, sondern in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens vorkommen und dynamisch sein können. Jenen Grenzen kann auf verschiedene Art und Weise im Englischunterricht der Grundschule begegnet werden.

Im Rahmen dieses Beitrags werden der interkulturelle und der transkulturelle Ansatz näher erläutert, wobei Letzterer im Fokus steht. Für beide gilt, dass Lehrkräfte wichtige Einflussfaktoren sind, um Schülerinnen und Schüler auch im Englischunterricht für ihre heterogene kulturelle und sprachliche Lebenswelt und darin vorkommende Grenzsituationen zu sensibilisieren und diesen wohlwollend und reflektiert zu begegnen (vgl. Küppers 2019; Kreft 2020; Sussex 2020 i.V.).
Dazu benötigen Lehrkräfte u.a. eine theoretische Wissensbasis zu den Begriffen der Transkulturalität und der transkulturellen Kompetenz (WAS?). Darauf aufbauend generieren die Lehrkräfte Kriterien und Ideen zur Auswahl geeigneter Lehrmaterialien und -methoden (WIE?) sowie die eigene Unterrichtspraxis (WORAUF ACHTEN?), um sie kontinuierlich reflektieren zu können.
Die verschiedenen Aspekte zu WAS?, WIE? und WORAUF ACHTEN? werden im Folgenden genauer ins Auge gefasst.
WAS? Ein Blick auf begriffliche Grundlagen
In bildungspolitischen Papieren der Bundesrepublik Deutschland gilt die Förderung von interkultureller bzw. transkultureller Kompetenz als Hauptziel im Englischunterricht der Grundschule (vgl. u.a. HKM 2011; Die Senatorin für Bildung und Wissenschaft 2013; Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2016). Die Kompetenzbezeichnung und deren Definition variiert in den Bundesländern. So spricht Hessen von transkultureller Kompetenz, die anderen Bundesländer bezeichnen es als interkulturelle Kompetenz (vgl. Viebrock 2018). Gemeinsam haben alle Kompetenzbeschreibungen, dass sie Kinder für den Umgang mit kulturellen Grenzsituationen sensibilisieren und handlungsfähig machen möchten.
Im Rahmen eines interkulturellen Ansatzes geschieht dies durch Vergleiche und Vermittlungen zwischen Eigenem und Fremdem bzw. der ‚einen und der ‚anderen Seite. Dabei wird häufig ein Verständnis zugrunde gelegt, das Kulturen als nationenbasierte Entitäten betrachtet, die untereinander Brücken bauen und in einem dynamischen Dialog bleiben (vgl. u.a. Byram 1997). In der Praxis erfolgt diese Annäherung z.B. auf der Basis von critical incidents, kritischen Ereignissen, durch Perspektivenwechsel oder Empathie.
Hingegen verfolgt der transkulturelle Ansatz die Idee der border literacies im Umgang mit kulturellen Grenzsituationen. ‚Klassische Grenzsituationen, z.B. zwischen Nationen oder Religionen, und eigen-fremd-Vergleiche werden aufgelöst und übergreifende Parameter wie (Selbst-)Vertrauen oder Freundschaft in den Mittelpunkt gestellt (vgl. u.a. Blell/Doff 2014). Das Konzept der Transkulturalität basiert auf einem Kulturverständnis, das über fixe Kategorien wie Nation und Religion hinausgeht und durch kulturelle Vernetzungen, Durchdringungen und Überlappungen geprägt ist. Fokus ist die kulturelle Hybridität auf der Ebene der Individuen, die fluid, diskursiv und flexibel ist.
Beide Konzepte werden in fachdidaktischen Diskursen kontrovers diskutiert (vgl. u.a. Delanoy 2014; Viebrock 2018). Aus diesem Grund finden sich vermehrt definitorische Mischformen. Deshalb entscheidet man sich für einen der beiden Begriffe als Oberbegriff und fasst darunter Aspekte von interkulturellen und transkulturellen Ansätzen. Dies gilt ebenfalls für den vorliegenden Beitrag, wobei der Rückgriff auf Transkulturalität bzw. transkulturelle Kompetenz erfolgt, um die Aspekte der Diskursi vität und Hybridität im Sinne der border literacies stärker hervorzuheben und sich von...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen